Routines2022 – der Film

Routines2022 – der Film, 48:05 min. 2022

Ein Projekt von Barbara Steppe, Produktion Deutschlandfunk Kultur und Barbara Steppe 2022. Erstaufführung: Deutschlandradio Kultur im April 2022

Regie: Barbara Steppe, Regieassistenz: Assunta Alegiani, Ton: Hermann Leppich, Redaktion: Markus Gammel, Filmschnitt: Manfred Miersch

Der animierte Film ist die visuelle Entsprechung des Hörstückes Routines2022. Jeder Sprachspur wurde eine Farbe und ein Ort auf der Bildfläche zugewiesen. Spricht eine Person, erscheint die zugehörige Farbe im schwarzen Hintergrund. Diese farbliche Markierung unterstützt uns einzelnen Personen durch das Stück hindurch zu folgen, und gibt uns ein Bild von der Struktur des Stückes.

Die 18 TeilnehmerInnen des Projektes erhielten jeweils ein Aufnahmegerät, mit dem der Ablauf eines Tages, über 24 Stunden protokoliert werden sollte. Sie wurden gebeten alle Tätigkeiten des Tages, jeweils mit genauer Uhrzeitangabe aufzunehmen. Auch Gedanken, Notizen und Umgebungsgeräusche sollten in das Protokoll einfließen.

In der Nachbearbeitung wurden die Aufnahmen in einzelne Segmente zerlegt und entsprechend der Uhrzeitangaben aus den Protokollen auf einer Zeitschiene von 48 Minuten neu zusammengefügt. (48 Minuten entsprechen hier 24 Stunden).

Abschließend wurden die Aufnahmen synchronisiert, so dass ein Chor der Stimmen entsteht. Aus ruhigen Momenten und aus aktiveren Phasen eines Tages entwickelt sich dabei die Dramaturgie des Stückes.

Routines2022 beobachtet das alltägliche Leben der teilnehmenden Personen  und eröffnet Einblicke in Lebensformen, Gewohnheiten, Gedanken, Privates und Öffentliches. Eine Klangdramaturgie, bei der sich das Dokumentarische, der Klang der einzelnen Stimmen, der Sprachduktus, die Wortwahl, und die umgebende Atmosphäre, eingebunden in eine klare Struktur, miteinander verweben.

Eingespannt in das zeitliche Korsett der Protokolle stehen Abstraktion des Konzeptes und die zum Teil sehr persönlichen Aufzeichnungen der Autoren nebeneinander. Das Persönliche und Überraschende, das jedes Protokoll mit sich bringt wird in ein striktes Zeitkorsett gezwungen, ohne auf Verdichtungen und Pausen zu achten.

Die Auswahl der Teilnehmer ist eine persönliche. Ich habe versucht Menschen zu finden, die ein möglichst breites Spektrum an Berufen ausüben und verschiedenen Altersgruppen angehören, und, vor allem, die in der Stadt sichtbar sind.

Teilnehmerliste:

Lena, 30, Studentin, arbeitet für den Lieferdienst Gorilla.  Friedrich, 16, Schüler, spielt Hockey und Klavier und ist Filminteressiert.  Lutz, 27, Bäcker, hat ursprünglich Tischler gelernt.  Helen, 45, Richterin.  Jens, 56, Nacht-Fotograf, hat Kommunikationsdesign studiert.  Diana, 46, Friseurin.  Julia, 45, Grafikdesignerin.  Katja, 49, Drehbuchautorin, engagiert sich in der Kommunalpolitik.   Kirk, 56, Schauspieler, betreibt eine Bar und einen Veranstaltungsservice.  Louise, 19, will Psychologie studieren, nimmt sich momentan eine Auszeit.  Süray, 45, Tourismus- Manager, arbeitet im Spätkauf.  Massih 20, aus Afghanistan, macht eine Ausbildung als Modenäher.  Paul 28, Student und Co-Trainer einer Junioren Bundesliga-Fußballmannschaft.  Quinn, 9, Schüler an einer Berliner Grundschule.  Rolf, 77, Rechtsanwalt, wohnt mit seiner Familie in einem 3- Generationen- Haus.  Till, 64, Juraprofessor an der Uni Potsdam.  Wolfgang, 60, Designer, über das Quereinsteiger-Programm zum Lehrerberuf gewechselt.  Alena, 34, Ärztin in einem Krankenhaus, arbeitet im Nachtdienst.