Private History
7:15 aufwachen 7:16, 7:17, 7:18 aufstehen, waschen/Zähne putzen 7:30 zur Werkstatt fahren 8:00 die am Vorabend zurechtgelegte Arbeit abarbeiten 8:50 neue Arbeitsgänge beginnen 9:33 mehrere Telefonate mit Auftraggebern 10:07 nebenbei Frühstücken, auf der Treppe sitzend vor meiner Werkstatt 11:00 Termin mit einem Architekten 11:36 telefonisch Material bestellen 11:38 Türgespräche mit einem Nachbarn, dann weiterarbeiten bei Radiomusik 13:55 dem Tischler gegenüber beim Zuschnitt großer Platten helfen 14:42 dem Italiener zuwinken 14:43 wieder am Modellbau, Kreissägearbeiten 17:10 kleiner Imbiß, Kaffee trinken 17:21 ruhige Handarbeit am Tisch 19:06 mit dem Fahrrad nach Hause fahren 19:30 duschen 19:33 meiner Freundin Margareta zuhören 19:56 auf dem Weg ins Kino meiner Freundin zuhören 20:15 lästige Werbung und den Film NVA ansehen 22:22 schweigend mit Margareta nach Hause gehen 22:30 ein wenig über den Film reden, Berliner Zeitung lesen, Festlegungen für freie Tage treffen 23:17 Zähne putzen 23:19 ins Bett gehen, einschlafen 1:49 aufwachen, Nachdenken über technologische Abläufe des nächsten Arbeitstages, einschlafen 3:16 wieder aufwachen nachdenken, einschlafen 6:39 kurz auf die Uhr schauen, einschlafen
Ralf Pawlitzky ist 1955 geboren und aufgewachsen in Rahnsdorf. Als er 17 oder 18 Jahre alt war, ist er nach Berlin in die Schwedter Strasse gezogen, in die Nähe der Mauer. Er ist nicht verheiratet und hat keine Kinder, lebte aber viele Jahre mit einer Frau zusammen deren Kinder er mit erzog. Schon früh hat er für den abwesenden Vater Verantwortung übernommen, indem er für seine Brüder gesorgt hat.
Ralf Pawlitzky ist Modellbaumeister. Er hat einen großen Freundeskreis und viele Bekannte die gerne auf ein Schwätzchen in seiner wohnlichen Werkstatt vorbeikommen. Die Werkstatt ist ein beliebter Treffpunkt im Kiez.
Vor der Wende war er im Volkseigenen Betrieb IHB am Alexanderplatz angestellt, in dem einst 600 Architekten und Bauingenieure und 11 Modellbauer arbeiteten. 1990, während der Auflösung der DDR, hat er sich selbstständig gemacht. Nach dem Unfalltod seines Freundes 1992 hat er dessen Werkstatt in der Ackerstrasse übernommen, wo er bis heute arbeitet.
Anstatt in ferne Länder zu fliegen, um sich dort an den Strand in die Sonne zu legen, liebt er es Freunde in der Uckermark oder im Oderbruch zu besuchen und nebenbei an ihren Häusern kleine Reparaturarbeiten zu übernehmen. Er liest gerne Krimis und spannende Romane und ist Spezialist für großangelegte Lagerfeuer. Sein Nebenjob als Filmvorführer, in den 80ger Jahren hat ihn zu einem leidenschaftlichen Kinogänger gemacht.
Ralf Pawlitzky wünscht sich ein weiterhin ausgewogenes Leben und möchte körperlich und geistig noch weit über das Rentenalter hinaus in der Lage sein, seinen Beruf auszuüben, mit möglichst wenig Zeitdruck und mit besserer Bezahlung.
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Private History 2006 Berlin / Budapest
Am liebsten sitze ich in meiner Werkstatt und baue an Architekturmodellen, ohne Maschinenlärm.
Dazu höre ich Radiomusik oder Ramstein und ähnliches, je nach Laune.